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Schach in der Literatur
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Das Schachspiel in der Literatur
Die Symbolik in der Kurzgeschichte "Schach" von Slawomir Mrozek
Mit der Symbolik im Schachspiel setze ich mich als Künstlerin schon seit vielen Jahren auseinander. Die Schachfiguren führen in meiner Phantasie ein Eigenleben. Ganz besonders deutlich wurde mir dies bei einem Freiluft-Schachspiel mit den großen Schachfiguren, die ich in einem Stadtpark beobachtete. Hier standen nun auch die Spieler selbst auf den schwarzen und weißen Feldern und saßen nicht wie üblich an einem Spielbrett. Schach - so lautet der Titel einer Kurzgeschichte des polnischen Schriftstellers Slawomir Mrozek, dessen Stücke Weltruhm erlangten. In Deutschland gehören sie sogar zu den meistgespielten Theaterstücken überhaupt. Mrozek gehört, mit Beckett und Dürrenmatt, zu den bedeutendsten Dramatikern unserer Zeit. Marcel Reich-Ranicki beschreibt ihn mit folgenden Worten: "Mrozek ist ein engagierter Schriftsteller – also hält er die Literatur nicht für eine erhabene Spielerei mit Worten, sondern für ein Mittel, auf die Menschen zu wirken. Er ist Humorist – also meint er es besonders ernst. Er ist Satiriker – also verspottet er die Welt, um sie zu verbessern. Er ist Surrealist – also geht es ihm um die Wirklichkeit, die er mit überwirklichen Motiven verfremdet, um sie zu verdeutlichen. Er ist ein Mann des Absurden – also zeigt er das Widersinnige, um die Vernunft zu provozieren."
Diese Beschreibung der schriftstellerischen Arbeit von Slawomir Mrozek trifft auch auf meine Sichtweise zu. Was lag also näher als die Illustration dieses Werkes. Seit Jahren beschäftige ich mich schwerpunktmäßig mit diesem Thema und wählte daher die gleichnamige Kurzgeschichte aus dem Diogenes Verlag in Zürich. Diese Geschichte macht die Analogie zwischen dem Schachspiel und den geltenden Gesellschaftsregeln deutlich. Die Schachfiguren in meinen Bildern entwickeln ähnlich wie in Mrozeks Kurzgeschichte ein Eigenleben.
Das strategische Konzept eines Schachspiels ist häufig vergleichbar mit den Ablaufprozessen unserer Arbeits- und Umwelt. Zur Zielerreichung sind die strategisch wichtigen Positionen – im Schachspiel sind dies die Felder – mit den geeigneten Figuren zu besetzen. Die Aktionsmöglichkeiten dieser Figuren sind durch die Spielregeln begrenzt. Die Beziehungen zwischen den Figuren eines Schachspiels sind andererseits ebenso unbegrenzt wie das Miteinander in unserem täglichen Leben. Oft entscheidet ein "kleiner Bauer" die Entwicklung einer ganzen Partie. Diese Möglichkeiten zeige ich auch hier in dieser Erzählung von Slawomir Mrozek auf.
Für das Buch fertigte ich sechs Farbradierungen, die auf schwerem Büttenpapier mit Büttenrand gedruckt wurden. Auf demselben Büttenpapier wurde in Buchdruck der Text gedruckt.
Angesicht der ständig wachsenden Zahl liebloser Massenproduktionen auf dem Buchmarkt, ist es mir ein Bedürfnis, das Buch wieder zu einem sinnlichen Erlebnis werden zu lassen. Aus diesem Grunde verwendete ich für dieses Buch nur kostbare und qualitativ hochwertige Materialien. Diese bibliophile Kostbarkeit, in schwarzem Oasen-Ziegenleder gebunden, gibt es in nur 30 Exemplaren. Für jedes Buch wurde ein ganzes Ziegenfell verwendet und es wurde das beste Leder ausgewählt. Zu den sinnlichen Erlebnissen gehört nicht nur das haptische Gefühl, die schweren Büttenpapiere umzublättern – auch der Duft des Leders gehört dazu. Der kostbare Handeinband mit der flächigen Negativ-Blindprägung nach einer Zeichnung von mir ist ein Meisterwerk der Buchbinderei Christian Zwang in Hamburg. Von der Zeichnung wurde ein Messing-Klischee hergestellt, welches neben der Prägung des Lederbandes auch für eine kleine Grafikauflage mit diesem Motiv verwendet wurde. (Auszug aus einer Pressemitteilung zur Buchpräsentation auf der internationalen Frankfurter Buchmesse 1995)
Die obige Abbildung zeigt eine nummerierte und signierte Schachgrafik, die von einem Messing-Klischee auf Werkdruckbütten gedruckt wurde. Das Klischee wurde ursprünglich vom Buchbinder Christian Zwang für die Blindprägung des Ledereinbandes verwendet. Eine unsignierte und nicht nummerierte Auflage erschien als graphische Beilage zum Kompendium der Handpressendrucke für Bartkowiak Forum Book Art in Hamburg.
Die Schachnovelle von Stefan Zweig mit Holzschnitten von Elke RehderVon Erich Fitzbauer aus Wien habe ich vor vielen Jahren einige Originalzeichnungen von Hans Fronius zur Schachnovelle bekommen. Fronius illustrierte die Ausgabe im Bermann-Fischer Verlag, die 1949 in Stockholm erschien. Das kleinformatige Buch enthält 7 Illustrationen. Die Bilder zeigen den jungen Czentovic vor dem Schachbrett, eine Cafehaus-Szene, einen Dampfer auf See mit Möwen im Vordergrund, Dr. B. im Liegestuhl an Deck, eine Möwe fängt sich einen dicken Fisch, drei sitzende und zwei stehende Personen um einen Tisch und Dr. B. verlässt Czentovic nach der letzten Partie. Ich schätze den Künstler Hans Fronius sehr, doch hatte ich andere Vorstellungen von der bildnerischen Umsetzung der Schachnovelle. Bewusst vermied ich, das Buch erneut zu illustrieren. Mein Anliegen war es, die Idee hinter der Schachnovelle in Bildern darzustellen. Ich beschränkte mich daher schon in meiner 1996 erschienen Grafikmappe auf die Entwicklungsgeschichte des Dr. B. Die 1942 erschienene "Schachnovelle" trägt autobiographische Züge. Das nur 97 Seiten umfassende Werk ist so vielschichtig, dass ein wiederholtes Lesen immer wieder neue Aspekte aufzeigt. Zweig beschrieb meisterlich die psychologischen Vorgänge der Menschen. Da der Text der Schachnovelle bis heute in zahllosen Auflagen vorliegt und in fast alle Sprachen der Welt übersetzt wurde, möchte ich hier nur kurz die Kernaussage dieser Novelle wiedergeben: Auf einem Ozeandampfer auf der Reise von New York nach Buenos Aires spielt der österreichische Emigrant Dr. B. (eine gewisse Seelenverwandtschaft zu Stefan Zweig ist hier zu vermuten), ein intelligenter, kreativer und sensibler Mensch, gegen den Schachweltmeister Czentovic. Der Leser erfährt in dieser Rahmennovelle die Geschichte des Dr. B., der von der Gestapo in Isolationshaft gehalten wurde, sich aber durch einen Zufall ein Buch mit Schach-Meisterpartien beschaffen konnte. Das geistige Nachspielen der Schachpartien ohne Brett schulte das Vorausdenken und Kombinieren und damit seine Widerstandskraft für die Gestapo-Verhöre. Somit konnte er die geistige und seelische Folter bestehen. Alsbald begann er jedoch in seiner Zelle gegen sich selbst zu spielen, was eine vollkommene Persönlichkeitsspaltung herbeiführte. Der innere Drang zu immer neueren und komplizierteren Partien manifestierte sich in einer "Schachvergiftung". Diese Art der "Vergiftung" verursachte bei Dr. B. ein "Nervenfieber", das ihn zum Wahnsinn trieb und schlussendlich zu seiner Haftentlassung führte.
Auf dem Ozeandampfer möchte Dr. B. herausfinden, ob sein Tun in der Zelle damals noch Schachspiel oder schon Wahnsinn gewesen ist. Dr. B. greift beratend in eine Schachpartie ein und erreicht hierdurch ein Remis gegen den Schachweltmeister Czentovic. Der Weltmeister gibt auf, indem er mit einer Handbewegung die Steine vom Schachbrett schiebt. Der gefühlskalte, berechnende Weltmeister spielt roboterhaft wie ein Automat und zeigt keine Gefühle. Ihm fehlen die geistigen Voraussetzungen für ein abstraktes Denken. Er ist nicht in der Lage blind zu spielen und braucht die optische Wahrnehmung des Schachbrettes. Aus diesem Grund trägt er immer ein kleines Taschenschachspiel bei sich.
Gegen seinen Willen wird Dr. B. zu einer zweiten Partie genötigt. Czentovic nutzt durch Ausreizen des Zeitlimits die psychischen Schwächen seines Gegenspielers aus. In den Wartezeiten beginnt Dr. B. damit, in seinem Geiste imaginäre Spielsituationen zu simulieren. Die Folge ist eine "Schachvergiftung" wie in seiner früheren Isolationshaft. Bevor ein aufkommendes "Schachfieber" seinen Zusammenbruch verursachen kann, gibt Dr. B. die Partie auf. Czentovic, dessen geistiger Horizont über die 64 Felder des Schachbrettes nicht hinauszugehen scheint, triumphiert in dem
Schluss-Satz: "Der Angriff war gar nicht so übel disponiert. Für einen Dilettanten ist dieser Herr eigentlich ungewöhnlich begabt".
Sensibilität und differenzierte Intelligenz unterliegen. Dies ist auch das Schicksal vieler Intellektueller im Dritten Reich, die sich vor der Vernichtung nur durch Flucht in die Emigration retten konnten. Zweig warnt mit seiner Novelle vor der Gefährdung des freiheitlich humanistischen Geistes durch die Gewalt. Zweig selbst fand die Schachnovelle "zu abstrakt für das große Publikum". Vielleicht war dies auch der Grund dafür, dass die Novelle bei Pigmalion in Buenos Aires zunächst nur in einer Auflage von 250 Exemplaren, bzw. bei Kramer in einer Auflage von 50 Exemplaren veröffentlicht wurde. Die Isolation als Mittel der psychischen Gewalt kann genauso grausam sein wie physische Gewalt. Auch für Zweig war die Emigration eine große psychische Belastung. Dr. B. wird nie wieder an ein Schachbrett zurückkehren können und Zweig glaubte, nie wieder das freiheitliche Europa wiederzusehen. Das Spiel ist aus und für immer erledigt. Für Dr. B. wie für Zweig wird es keinen Ausweg geben, beide sind Opfer. Am 22.2.1942 begingen Stefan Zweig und seine Frau Lotte Selbstmord. In seinem Abschiedsbrief schrieb Zweig: "Nach dem sechzigsten Lebensjahr bedurfte es besonderer Kräfte, um noch einmal völlig neu zu beginnen. Und die meinen sind durch die langen Jahre heimatlosen Wanderns erschöpft. So halte ich es für besser, rechtzeitig und in aufrechter Haltung ein Leben abzuschließen, dem geistige Arbeit immer die lauterste Freude und persönliche Freiheit das höchste Gut der Erde gewesen." Trotz seiner Sicherheit in der Emigration konnte Zweig den Verlust des freiheitlichen Europas nicht verwinden. Nicht nur unter den Schachspielern erfreut sich die Schachnovelle als schriftstellerisches Meisterwerk großer Beliebtheit. Die Freunde Stefan Zweigs, die auch meist eine Vorliebe für zeitgenössische Kunst haben, möchten die Sammlung seiner Werke möglichst komplett besitzen. Ausgaben in geringer Auflage sind häufig rasch vergriffen und werden vielleicht etliche Jahre später zu relativ hohen Preisen antiquarisch gehandelt. Als ich 1996 zur internationalen Frankfurter Buchmesse meine künstlerische Interpretation der Schachnovelle in Form von Holzschnitten veröffentlichte, konnte ich noch nicht ahnen, dass die Auflage von 36 Exemplaren schon kurze Zeit später vergriffen war. Die Holzschnitte wurden von zwei Druckstöcken auf Japanpapier gedruckt. Dosabiki Masashi ist ein feines, handgeschöpftes Büttenpapier mit vierseitigem Büttenrand und einem Gewicht von nur 85 g/qm. Die Holzschnitte wurden daher von mir per Handabreibung individuell abgezogen. Der Mappe wurden kurze Textauszüge auf Transparentpapier zu den einzelnen Motiven beigefügt. (Auszug aus dem Katalog Künstlerbücher und Grafik von Elke Rehder im Bestand der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek in Hannover, 2006)
Heinrich Heine und die Symbolik im Schachspiel
Das Künstlerbuch "Heine, Hamburg und die Frauen"
Hier folgt ein Textauszug aus meinem 2006 mit Originalzeichnungen erschienenen Künstlerbuch. Den Text von Roy Rasmussen gebe ich hier in einem kurzen Auszug wie folgt wieder: Wie vielleicht einigen der geneigten Leser bekannt ist, arbeitet die in Barsbüttel bei Hamburg lebende Künstlerin Elke Rehder schon seit vielen Jahren zum Thema Schach. Das Schachspiel in der Literatur gilt ihrem besonderen Interesse und sie scheint stetig auf der Suche zu sein, nach ihr gefälligen Gedichten und Erzählungen. So entdeckte sie in diesem Jahr das folgende Zitat, welches sie zu einem Farbholzschnitt inspirierte, der zeitgleich mit dem hier vorliegenden 20. Druck der ELKE REHDER PRESSE als Einblattdruck erschienen ist: "Ich bin ein wahnsinniger Schachspieler. Schon beim ersten Stein habe ich die Königin verloren, und doch spiel ich noch und spiele – um die Königin. Soll ich weiterspielen?" Verfasser dieser Zeilen ist kein geringerer als der große Dichter Heinrich Heine. Es ist ein Zitat aus dem Brief Heines an seinen Freund Christian Sethe in Düsseldorf. Heine hatte diesen Brief am 27. Oktober 1816 in Hamburg geschrieben. Aber wie kam es zu dieser Formulierung in dem genannten Brief? War Heine wirklich ein wahnsinniger Schachspieler im Sinne des sportlichen Spiels? Oder ist es eine symbolhafte Umschreibung seiner momentanen Gefühlslage? Diente ihm der Vergleich zum Schachspiel lediglich als Metapher? Eine Analogie zu den künstlerischen Werken von Elke Rehder ist offensichtlich. Auch die Künstlerin verwendet die Symbolik des Schachspiels, um komplexe Zusammenhänge – meist mit gesellschaftskritischem Bezug – bildlich darzustellen. Schon beim ersten Stein habe ich die Königin verloren – Dies kann doch wohl unmöglich einem Schachspieler widerfahren! – Also müssen wir der Sache weiter auf den Grund gehen und uns den gesamten Text des Briefes ansehen ... Nachdem ich diesen Brief erstmalig vollständig gelesen hatte, glaubte ich zu fühlen, was einen verliebten Jungen von 18 Jahren vor fast zweihundert Jahren bewegt haben mag bei der verzweifelten Frage "soll ich weiterspielen?" Heine ergänzte diese Metapher des Schachspieles mit einem ungenauen Zitat aus den Schlussversen des zweiten Aktes von Voltaires Tragödie Mérope (1743): "Quand on a tout perdu et qu’on n’a plus d’espoir, la vie est un opprobre et la mort un devoir." In der Übersetzung bedeutet dies: Wenn man alles verloren und keine Hoffnung mehr hat, ist das Leben Schande und der Tod Pflicht. Dieses Zitat lässt uns erahnen, wie unglücklich der Verfasser dieser Zeilen gewesen sein muss.
Das Künstlerbuch "Schach dem König oder Heinrich Heine auf Helgoland"
Ebenfalls von Roy Rasmussen ist der Text zu meinem 2006 erschienenen Künstlerbuch "Schach dem König oder Heinrich Heine auf Helgoland und die Sage von Rodulf und Rumetrud der Gebrüder Grimm". Hier folgt ein kurzer Auszug aus dem ersten Kapitel: Als ich bei einem Ausflug nach Cuxhaven – dort wo sich der Strom der Elbe in die weite Nordsee ergießt – zum ersten Mal die Bilder von Elke Rehder sah, war ich erstaunt über die Vielfalt der Betrachtungsweisen zum Thema Schach. In dem Künstlerhaus des Schlossparks zu Ritzebüttel, wo die Künstlerin für einige Zeit ein Atelier bewohnte, war mir dies klar geworden. Ich betrachtete die großformatigen Bilder, die noch den Duft feuchter Ölfarbe verströmten, und wunderte mich, mit welcher Intensität sich die Künstlerin mit der Schachthematik beschäftigte. Bilder mit dem Titel "Angriff der Bauern" und "Bauern bedrohen den König" gingen mir auf meiner weiteren Reise nach Helgoland nicht mehr aus dem Sinn. Bevor ich das Schiff nach Helgoland betrat, versorgte ich mich in einem Buchladen noch mit einer Tageszeitung und einem antiquarischen Buch aus der sogenannten Flohmarkt-Kiste, denn das norddeutsche Wetter schien sich nicht gerade zum Besten zu entwickeln. Die Überfahrt war stürmisch und die Aussicht auf die dunkelgraue, wild tosende Nordsee bereitete mir keine Freude. Ich griff zum Buch, ein Sammelband aus Heines Werken, und begann mich mit Lesen etwas abzulenken. Ich schlug das Buch an einer beliebigen Stelle auf und stellte mit Freude fest, dass dort Briefe abgedruckt waren, die 1830 auf der Insel Helgoland von Deutschlands großem Dichter Heinrich Heine verfasst wurden. Welch ein Zufall, wo ich doch gerade auf dem Wege dorthin war. Ich las alle sieben Briefe und versuchte mich in die Zeit ihrer Entstehung hineinzuversetzen. 1830, die Zeit des Vormärz und der Julirevolution in Paris. Wie mag es wohl armen Journalisten wie mir damals ergangen sein. Mit Sicherheit gab es genau so viel zu berichten wie heute – vielleicht sogar noch mehr. Aber unter welchen Arbeitsbedingungen? Mir gegenüber saßen zwei junge Männer, dem Alter, Aussehen und Verhalten nach vermutlich Studenten auf der Reise nach der damals noch zollfreien Insel, die sich für eine Einkaufsfahrt in Sachen Tabak und Spirituosen allseits großer Beliebtheit erfreute. Die jungen Leute waren über ein kleines Reise-Schachspiel vertieft, deren einfache Plastikfiguren man in die schwarzen und weißen Felder hineinstecken konnte. Sie waren offensichtlich in ihren strategischen Gedanken so versunken, dass sie die permanente Schaukelei des kämpfenden Schiffes nicht bemerkten. Ich war in meinem schon etwas zerlesenen Buch just an die Stelle gelangt, wo der Brief vom 6. August 1830 mit den Zeilen begann:
"Während sein Heer mit den Langobarden kämpfte, saß der König der Heruler ruhig in seinem Zelte und spielte
Schach." Und ich dachte: Ja, so ist es recht, mag das Schiff im Sturme untergehen, ihr sitzt hier und spielt Schach! Ich hatte die Bilder von Elke Rehder wieder vor Augen, die ich mir in Cuxhaven aus Zeitgründen nur flüchtig ansehen konnte. In der einen Hand Heines Brief zur Julirevolution in Paris, die Augen auf die schachspielenden Studenten gerichtet und die symbolhaften Zeichnungen und Ölbilder aus Cuxhaven im Kopfe landete ich schließlich sicher auf festem Boden, auch wenn es nur eine Insel war.
Schach - Gespräche mit Figuren"Schach ist nicht wie das Leben, Schach ist das Leben. Genau wie das Theater". Nicht von ungefähr entspricht dieser Satz des spanischen Dramatikers Fernando Arrabal meinem künstlerischen Denken und Handeln. Die Thematik des Schachspieles übt eine besondere Faszination auf mich aus. Das menschliche Leben mit all seinen Fragestellungen und Funktionsabläufen spiegelt sich wieder in der hierarchischen Gliederung der Figuren vom Bauern bis zum König. Dies habe ich mit meinem 16. Druck der Elke Rehder Presse noch einmal mehr verdeutlichen wollen. Ich habe die Figuren für sich sprechen lassen. Die Typografie – insbesondere die Gestaltung des Titelblattes – habe ich bewusst im Bauhaus-Stil gehalten. Eine Hommage an des Bauhaus und seine neuen Gedanken in einer besonderen Zeit und in einem besonderen politischen Umfeld.
Hier folgt ein Text-Auszug aus "Schach - Gespräche mit Figuren":
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