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Schachzitate

Anfang Januar 2009 amüsierte ich mich köstlich mit dem Buch von Walter Slezak "Mein Magen geht fremd" (Piper Verlag München 1977). Dabei ging es nicht nur um Kulinarisches sondern auch um Schach, wie Ihnen das nachfolgende Zitat vermittelt:

Wenn man sich darüber klar ist, dass ein Schachbrett vierundsechzig Felder und zweiunddreißig Figuren hat und dass es, nachdem die ersten vier Züge von Weiß und Schwarz gespielt sind, bereits über zwei Millionen Varianten gibt, in denen man die Schachfiguren bewegen kann, wenn man sich darüber klar ist, dass wir in unsrer wundersamen Welt Millionen essbare Pflanzen und Tiere haben und ebenso viele Arten sie zuzubereiten, wird man von dem Neuland, das noch nicht erforscht ist, überwältigt sein.

 

Nachfolgend zeige ich eine Auswahl von Einblattdrucken der ELKE REHDER PRESSE. Der Text wurde wie zu Gutenbergs Zeiten im Buchdruck gedruckt. Dazu habe ich einen Farbholzschnitt von mehreren Druckstöcken gedruckt. Die Einblattdrucke gibt es in der ELKE REHDER PRESSE in einer kleinen nummerierten und signierten Auflage.

 

Heinrich Heine

"Ich bin ein wahnsinniger Schachspieler: Schon beim ersten Stein habe ich die Königin verloren, und doch spiel ich noch und spiele - um die Königin. Soll ich weiterspielen?"

(Zitat aus einem Brief Heines an seinen Freund Christian Sethe vom 27. Oktober 1816)

Einblattdruck Schach Heinrich Heine Holzschnitt Elke Rehder


 


Ernst Jünger

"Das Schachspiel hat den Vorzug, dass geistige Macht so unwiderleglich bezeugt wird wie auf keinem anderen Feld, und zwar durch eine Reihe von Vorweisungen, die nur durch andere Vorweisungen bestritten werden können - so hält es die Mitte zwischen dem Disput und der strategischen Aktion. Vom Disput unterscheidet es sich dadurch, dass jedem Zug eine unbezweifelbare Realität innewohnt. Es gibt, auch wenn sie nicht gefunden wird, die beste Erwiderung, die, wie ein Richtspruch, nicht der Zustimmung des Gegners bedarf. Diese Realität ist andererseits den materiellen Schwierigkeiten und Zufällen entzogen, mit denen der Stratege zu rechnen hat. Man möchte meinen, dass die Ersinnung eines solchen Spieles das menschliche Vermögen überschreite und dass es Zeiten entstamme, in denen Götter mit uns Umgang hielten und bei uns einkehrten. Irgendwo im Universum könnte um Reiche und Länder oder um Sterne gespielt werden, die Figuren könnten Heere bedeuten - doch bliebe nur das Bedeutende, der Schicksalszug in seinem schwerelosen, unerschütterlichen Wandel, gleichviel ob es um Nüsse oder Königreiche geht. Das Spiel gibt eine Ahnung von dem, was an ganz anderen Orten, was unter Geistern, ja was in fremden Welten möglich ist."

(Zitat von Ernst Jünger aus dem Buch "Rehburger Reminiszenzen", Elke Rehder Presse 1998)

Ernst Jünger Schach Holzschnitt Elke Rehder



 

Stefan Zweig

"Und da ich nichts anderes hatte als dies unsinnige Spiel gegen mich selbst, fuhr meine Wut, meine Rachelust fanatisch in dieses Spiel hinein. Etwas in mir wollte Recht behalten, und ich hatte doch nur dieses andere Ich in mir, das ich bekämpfen konnte; so steigerte ich mich während des Spiels in eine fast manische Erregung."

(Textpassage aus der "Schachnovelle" von Stefan Zweig; Beschreibung des unmöglichen Versuches, gegen sich selbst zu spielen.)

Stefan Zweig Schachnovelle Schachwut Holzschnitt Elke Rehder



 

 

Weitere Schachzitate von

 

Aljechin, Alexander

Mit Hilfe des Schachs formte ich meinen Charakter. Das Schachspiel lehrt vor allem, objektiv zu sein. Man kann nur dann ein großer Meister werden, wenn man sich seiner Fehler und Mängel bewusst wird - ist das nicht ganz so wie im Leben?

 

 

Arrabal, Fernando

Schach und Theater - das sind die Künste der Dissidenten, der Mystiker und Andersgläubigen, der Libertären und Propheten, der Fischers und Ionescos, Morphys und Kortschnojs.

 

 

Brecht, Bertolt (Leben des Galilei)

Galilei zu den schachspielenden Sekretären: Wie könnt ihr noch immer das alte Schach spielen? Eng, eng. Jetzt spielt man doch so, dass die größeren Figuren über alle Felder gehen. Der Turm so - er zeigt es - und der Läufer so - und die Dame so und so. Da hat man Raum und kann Pläne machen.
Der eine Sekretär: Das entspricht nicht unseren kleinen Gehältern, wissen Sie. Wir können nur solche Sprünge machen. Er zieht einen kleinen Zug.
Galilei: Umgekehrt, mein Guter, umgekehrt! Wer auf großem Fuß lebt, dem bezahlen sie auch den größten Stiefel! Man muss mit der Zeit gehen, meine Herren. Nicht an den Küsten lang, einmal muss man ausfahren.

 

 

Cervantes, Miguel

Das Leben ist eine Partie Schach.

 

 


Duchamp, Marcel

Ich glaube in der Tat, dass jeder Schachspieler ein Gemisch zweier ästhetischer Vergnügen erfährt: erstens das abstrakte Bild, verwandt mit der poetischen Idee beim Schreiben; zweitens das sinnliche Vergnügen der ideographischen Ausführung dieses Bildes auf den Schachbrettern. - Wenn auch nicht alle Künstler Schachspieler sind, so sind doch alle Schachspieler Künstler.

 

 

Duchamp, Marcel

Ich ziehe Schach vor. Da können die Menschen leidenschaftlich dabei sein, obwohl die Eröffnungstricks und der geistige Aufwand genauso sinnlos sind wie das Leben selber.

 

 

Fine, Reuben (Schachspieler USA, Psychoanalytiker)

Die wichtigste Gabe, die ein großer Schachspieler haben muss, ist meiner Meinung nach eine üppige Phantasie. Er muss in der Lage sein, sich aus der Welt aufdringlicher Realitäten in einen Bereich seltsamer Gestalten und Formen zurückzuziehen, die er miteinander kombiniert, um neue, nie da gewesene Situationen zu schaffen.

 

 

Flaubert, Gustave

Schach - Zu ernsthaft für ein Spiel, zu seicht als Wissenschaft.

 

 

Goethe, Johann Wolfgang von

Die Natur hat uns das Schachbrett gegeben, aus dem wir nicht hinauswirken können, noch wollen, sie hat uns Steine geschnitzt, deren Wert, Bewegung und Vermögen nach und nach bekannt werden; nun ist es an uns, Züge zu tun, von denen wir uns Gewinn versprechen.

 

 

Green, Julien (Schriftsteller)

Der Furchtsame im Leben wird auch im Schach furchtsam sein, der Draufgänger im Leben sich auch im Schach auf den König stürzen.

 

 

Groß, Johannes (Journalist)

Schach ist ein höfliches, ritterliches Spiel. Der König kann verfolgt, bedroht, schließlich mattgesetzt, aber nicht geschlagen und des Feldes verwiesen werden. Demokratischem Empfinden ist es fremd, dass das Oberhaupt des besiegten Gegners geschont werden soll.

 

 

Hesse, Christian (Mathematiker)

Trotz der Begrenzung des Spielplatzes auf 64 Felder und nur weniger klarer und übersichtlicher Zugregeln ist es in einer ans wunderbare grenzenden Weise komplex und so vielschichtig, dass es in symbolischer Form Grundaspekte der menschlichen Existenz widerzuspiegeln vermag. Schach ist eine geistige Kampfsportart und gleichzeitig ein Resonanzboden für Ästhetik, Leidenschaft und intellektuelles Heldentum, ein ganzes Königreich voller Ideen, Emotionen, Imaginationen, von einmaligen Einblicken, links- und rechtshemisphärischer Denkaktivität, von gebündelter Kreativität und wunderbarer Harmonie zwischen logischen und paradoxen Elementen.

 

 

Huxley, Thomas Henry (Schriftsteller)

Das Schachbrett ist die Welt. Die Steine sind die Erscheinungen im Weltall, und die Spielregeln heißen Naturgesetze. Unser Gegenspieler bleibt uns verborgen. Wir wissen nur, dass sein Spiel immer zweckmäßig, geduldig und korrekt ist. Wir wissen aber auch, dass er zu unseren Gunsten niemals einen Fehler übersehen oder das geringste Zugeständnis an unsere Unkenntnis machen wird. Dem Menschen, der gut spielt und seine Stellungen am besten ausnützt, wird mit einer Art überschwänglicher Großmut der Lohn für seine Gewandtheit zugeteilt. Derjenige aber, der Fehler auf Fehler häuft, wird erbarmungslos mattgesetzt - ohne Eile, aber auch ohne Schonung ...

 

 

Kennan, George F. (Historiker)

Mancher, der sich für einen Schachspieler der Weltpolitik hält, ist in Wirklichkeit bloß eine Schachfigur.

 

 

Kramnik,Wladimir

Kunst und Schach sind nur verschiedene Felder, in denen dieselbe Poesie Ausdruck findet.

 

 

Kraus, Karl (Schauspieler)

Diplomatie ist ein Schachspiel, bei dem die Völker matt gesetzt werden.

 

 

Lasker, Emanuel

Seit undenklichen Zeiten sind die Kampfspiele Lehrmeister des Menschen gewesen. Lange schon, bevor es auch nur eine Spur von wissenschaftlichem Denken gab, lernte der Mensch planvolles Handeln im Spiel. Das höchste aller dieser Spiele ist das Schach.

 

 

Lasker, Emanuel

Im Leben werden die Partien nie so unbestritten gewonnen wie im Spiel; das Spiel gibt uns Genugtuungen, die das Leben versagt.

 

 

Lasker, Emanuel

Figuren entwickeln und sehen, dass sie wirken, sodann Vertrauen auf die Zukunft, das ist ein guter Spruch, nicht bloß für den Schachspieler.

 

 

Leibniz, Gottfried Wilhelm

Die erstaunliche Logik und die mathematische Exaktheit stellen das Schachspiel auf eine Stufe mit jeder exakten Wissenschaft, während Schönheit und Bildhaftigkeit seiner Ausdrucksform in Verbindung mit künstlerischer Phantasie es in einer Reihe mit allen anderen Künsten rücken lässt.

 

 

Lessing, Gotthold Ephraim

Das Schach ist für das Spiel zu ernst, für den Ernst zuviel Spaß.

 

 

Lessing, Gottholt Ephraim

Zwei Knaben wollten Schach ziehen. Weil ihnen ein Springer fehlte, so machten sie einen überflüssigen Bauern durch ein Merkzeichen dazu.
Ei, riefen die anderen Springer, woher Herr, Schritt vor Schritt?
Die Knaben hörten die Spötterei und sprachen: Schweigt! Tut er uns nicht eben die Dienste, die ihr tut?

 

 

Morgenstern, Christian

Im Schachspiel offenbart sich durchaus, ob jemand Phantasie und Initiative besitzt oder nicht.

 

 

Morgenstern, Christian

Man hat vom Schach gesagt, dass das Leben nicht lang genug dazu ist, - aber das ist ein Fehler des Lebens, nicht des Schachs.

 

 

Morgenstern, Christian

Man soll vor allem groß spielen, im Schach wie im Leben, und nicht wie ein Krämer. Alle Berechnung in Ehren, aber das Entscheidende bleibt stets das Unberechenbare, das Wagnis, das coûte que coûte.

 

 

Nimzowitsch, Aaron

Der Freibauer hat für mich eine Seele, genau wie der Mensch, Wünsche, die unerkannt in ihm schlummern, und Befürchtungen, von deren Existenz er selbst kaum ahnt.

 

 

Papst Johannes Paul II

Das Schach birgt in sich die tiefen Weisheiten der Völker. Es ist ein wahrhaftiges Ebenbild des Lebens, eine Widerspiegelung des menschlichen Schicksals, die uns den irdischen Leidensweg in Finsternis und ständiger Zeitnot vorgezeichnet hat. Ganz wie im Schach treffen wir auch im Leben auf all mögliche Fallen, Fehler, Verrechnungen, Opfer, auf Könige und Königinnen, Doppelbauern und ungewöhnliche Springerzüge, die vorkommen, kaum dass wir am Brett sitzen.

 

 

Philidor, Francois André

Die Bauern sind die Seele des Schachspiels.

 

 

Rosegger, Peter (Schriftsteller)

Wenn die Könige sich raufen, müssen Bauern Haare lassen. Diese Wahrheit kennen alle, die sich mit dem Schach befassen.

 

 

Scheu, Robert (Schriftsteller)

Im Schach wie im Leben strauchelt sowohl derjenige, der ganz planlos herumirrt als auch derjenige, der allzu feste Vorsätze mitbringt und keinerlei Kompromisse macht.

 

 

Schopenhauer, Arthur (Philosoph)

Es ist im Leben wie im Schachspiel: Wir entwerfen einen Plan; dieser bleibt jedoch bedingt durch das, was im Schachspiel dem Gegner, im Leben dem Schicksal zu tun belieben wird.

 

 

Tartakower, Savielly

Der beste Zug im Schach, wie im Leben, ist stets - der gemachte.

 

 

Tartakower, Savielly

Arme Menschen! Wie gleicht ihr in allen euren Unternehmungen dem Schachspieler, der die Partie hätte gewinnen können... Jede Schuld rächt sich - am Schachbrett.

 

 

Tolstoi, Leo

Beim Schach ist darauf zu achten, dass das Wesentliche nicht darin besteht, irgendwelche gewaltsamen, unerwarteten und riskanten Züge zu machen, sondern die Figurenkombination so zu berechnen, dass sie sich langsam und fließend entwickelt.

 

 

Tucholsky, Kurt

Es gibt nur ein Mittel, im Schachspiel unbesiegt zu bleiben. Spiele nie Schach.

 

 

Zweig, Stefan

Schach ist ein Denken, das zu nichts führt, eine Mathematik, die nichts errechnet, eine Kunst ohne Werke, eine Architektur ohne Substanz und nichts desto minder erwiesenermaßen dauerhafter in seinem Sein und Dasein als alle Bücher und Werke, das einzige Spiel, das allen Völkern und allen Zeiten zugehört und von dem niemand weiß, welcher Gott es auf die Erde gebracht hat, um die Langeweile zu töten, die Sinne zu schärfen, die Seele zu spannen. Wo ist bei ihm Anfang und wo das Ende? Jedes Kind kann seine ersten Regeln erlernen, und doch vermag es innerhalb dieses unveränderbar engen Quadrats, eine besondere Spezies von Meistern zu erzeugen, unvergleichlich allen andern.

 

 

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