|
Poesie und Lyrik zum Schach
Nachfolgend zeige ich eine Auswahl von Einblattdrucken mit Gedichten zum Schach, die seit 1993 in meiner künstlerischen Handpresse, der ELKE REHDER PRESSE, erschienen sind. Der Text
der Einblattdrucke ist in Buchdruck gedruckt. Zusammen mit den Holzschnitten sind die Einblattdrucke in einer kleinen nummerierten und signierten Auflage erschienen.

Spieler Tod
Am Tag, des nachts. Zu unbekannter Stunde erscheint er - fordert Dich zum Spiel, zum nächsten Zug. Er setzt den letzten.
Gerhard Stübner
Im Dezember 2008 erschien dieses Gedicht von Gerhard Stübner als Erstausgabe in der Elke Rehder Presse. Zu dem Gedicht fertigte ich einen Holzschnitt. Der Text wurde in Buchdruck auf Bütten gedruckt. Das Blattformat dieses Einblattdruckes ist 42 x 30 cm, gefaltet auf 21 x 30 cm. Die Auflage beträgt 90 nummerierte und von Gerhard Stübner und Elke Rehder signierte Exemplare. Von diesen 90 nummerierten und vom Autor und der Künstlerin signierten Exemplaren sind 25 Stück von Elke Rehder in blau und gelb handkoloriert.
Weitere 230 von der Künstlerin signierte Exemplare erschienen als Beilage zur Ausgabe A und B in der Zeitschrift
"Graphische Kunst" in der Edition Curt Visel zu dem Artikel
"Schach - Spiegel des Lebens".
Erich Fitzbauer: Schachspiel
Der bekannte österreichische Schriftsteller Erich Fitzbauer schrieb das nachfolgende Gedicht als Erstausgabe für die ELKE REHDER PRESSE. Es erschien 2001 in einer Auflage von 100 Exemplaren und ist von Erich Fitzbauer signiert.

Wer ist sicher vor den Pferdetritten, vor des Läufers List, der ungesehen naht und plötzlich einsteigt ins Geschehen, und den weiblichen Verfolgungsschritten: wenn man nicht einmal den Türmen traut, weil sie, statt auf festem Grund zu stehen, wo man sie zum Schutze hingebaut, unaufhaltsam ihre Wege gehen?
Mancher meint in seinem Traum und Trug, daß das kleine schwarz und weiße Feld, wo beständig abläuft Zug um Zug, einmal eilend, einmal wieder schlendernd und bei jedem Mal die Farbe
ändernd, gleichsam ein verkürztes Feld der Ehre, Sinn- und Spiegelbild der großen Welt und das Spiel ein Gang durchs Leben wäre.
Doch es bleibt ein Spiel. Für Mußezeiten. Und es müssen durch ihr Vorwärtsschreiten erst Geringere den Raum bereiten für den scheinbar Größten in der Mitte, dem die Regel nur die kleinsten Schritte neben dem Gefolge zubestimmt, währenddessen alle rund um ihn immer weiter ihre Bahnen ziehn und ihm einzeln nach und nach entgleiten: bis man ihn
zuletzt in Einsamkeiten fallen läßt und ihm die Krone nimmt.
Erich Fitzbauer
Hans
Peter Schmitt: Folie
Nachfolgend möchte ich Ihnen das Schach-Gedicht "Folie" von Hans Peter Schmitt vorstellen, welches als Erstausgabe 2000 in der ELKE REHDER PRESSE in einer Auflage von 100 Exemplaren erschienen und vom Autor signiert ist.

A deux in damenindischer Verstrickung - sie bot mir reglos die verwöhnte Stirn, den Blick gesenkt aus lächelnder Entrückung und
über allen Feldern ihr Gehirn.
Ein Schritt lag zwischen ihr und meinem König, der nichts im Schilde führte als den Sieg. Der galt ihm alles, galt ihm allzu wenig; und wieder fiel ein Stein, und jeder schwieg.
Zu Pferde hab ich glücklich sie entführet. Sie läßt es leicht geschehen, kaum berühret, und spannt sich selber meinen Wagen ein
und läßt vom Narren sich die Kappe geben für ein beschwerlich gutes Bauernleben und gibt remis. Ich will verloren sein.
Hans Peter Schmitt
Schach
- Ein Gesellschaftsspiel
1993 erschien mein erstes Künstlerbuch in der ELKE REHDER PRESSE unter dem Titel "Schach - Ein Gesellschaftsspiel" und 1994 folgte "Schachanalogie". Beide Bücher
enthalten meine handgeschriebenen Gedichte und Radierungen.

Remis
Zwei Könige - zwei Mächtige Pomp and cicumstances In schillernden Regenbogenfarben Fettleibig, grotesk
Die ausschlaggebende Waage Zwei Mächtige - zwei Gewichte Ein Wendepunkt in der Geschichte Was gibt den Ausschlag? Das goldene Dreieck
Zwei Könige - zwei Mächtige Sind sie schwarz? Sind sie weiß? Sie sind gleich Sie sind alle gleich, die Könige

Angriff der Bauern
Wie lange schon mußten wir herhalten für die Köpfe anderer?
Wie lange schon mußten wir uns verteidigen vor den fremden Geistern?
Wir sind jetzt soweit, nun ist unsere Zeit, es ist unser Leben, wir sind dagegen!
Gottlieb Konrad Pfeffel: Das Schachspiel
"Das Schachspiel" von Gottlieb Konrad Pfeffel erschien 1997 mit Holzschnitten in der ELKE REHDER PRESSE in einer Normalausgabe von 40 und einer Vorzugsausgabe von 20 Exemplaren. Pfeffel wurde 1736 in Colmar geboren und unterhielt später eine Militärakademie. Die Strategie des Schachspiels hat ihn wohl sehr fasziniert. Das Gedicht "Das Schachspiel" wurde von Pfeffel als freie Übersetzung 1795
verfasst. Es ist meines Erachtens ein Spiegelbild unseres gesellschaftlichen Lebens. Der nachfolgende Text ist der Ausgabe in der Cotta'schen Buchhandlung in Tübingen von 1802 in unveränderter Rechtschreibung entnommen:
Auf einem Schachbrett stand der Steine bunte Schaar Nach Stand und Würden hingepflanzet; Der hölzerne Monarch und seine Dame war Von Reisigen und Thürmen rund umschanzet.
Die Läufer, oder wenn wir sie Nach gallischem Canzleystyl nennen wollen, Die Narren spielten große Rollen. Die Bauren, gar ein zahmes Vieh, So lange sie nicht ihre Stärke kennen,
Die Bauren mußten vorne dran, Um sich zuerst die Köpfe zu verrennen. Das deutungsvolle Spiel begann. Gewalt und List regierten das Gefechte; Hier ward der Knecht vom Herrn und dort der Knecht vom Knechte, Oft gar der Herr durch seinen Hintermann Von seinem Platz verdrängt. Der stolze Großsultan Sah unbewegt zur Rechten und zur Linken Die Hälfte seiner Nation, Als Opfer des Geschicks, zu Boden sinken, Und endlich fiel auch er vom Thron.
Itzt nimmt der Herr des Spiels, der allen Steinen Die Rollen ausgetheilt und selbst sie aufgestellt, Sie weg, und wirft vermengt die Großen und die Kleinen In einen dunklen Sack. Dies ist das Bild der Welt.
Gottlieb Konrad Pfeffel

Die
obige Abbildung zeigt einen Einblattdruck von 1999, der in einer Auflage
von 60 Exemplaren erschienen ist. Über dem handkolorierten Holzschnitt ist die
erste Strophe von Hand gesetzt und in Buchdruck gedruckt.
Stefan Andres: An den Tod
Gedicht
mit einem Farbholzschnitt. Farbiger Umschlag. 20,5 x 30 cm. 2003.
Auflage: 100 nummerierte u. signierte Exemplare in der ELKE REHDER
PRESSE und 450 signierte Exemplare in der Edition Curt Visel (GA 550).

Christian Morgenstern -
Schach Gedichte
Schach, das königliche Spiel
Du bist nicht nur ein Spiel, von Leben schwer, du bist sein Kampf selbst, formuliert als Spiel. In dir erflog der Geist den großen Stil. Noch mehr: Du bist des Geistes großer Stil.
Christian Morgenstern
 |  | | Red
Dancer Chess.
Siebdruck und Acrylfarbe | Blue Dancer
Chess.
Siebdruck und Acrylfarbe |
Das Schach
Zum großen Geist des Universums trat ein Sterblicher von dem Planeten Erde. "Was bringst du mir in meine Einsamkeit? Bringst du den Vorwurf, dass ich dich erschuf, den Anspruch, dass ich dich entschädigen soll, die Nachricht, dass dein Stern zuschanden ward, den Vorschlag einer neuen 'bessern' Welt?" "Von allem nichts, du hoher Geist", so sprach der Sterbliche zurück - "ich bringe dir ein Spiel dafür, das all dies in sich trägt: Des Lebens Tragik wie Notwendigkeit, wie du, Notwendiger und Tragischer, es uns erschufst: ein Spiel, der Spiele Spiel; für deine weltumrauschte Einsamkeit das einzige Spiel, wie es das meine war: Ich bringe dir, mein hoher Geist - das Schach."
Christian Morgenstern
 |  | | Springer
schlägt Turm. Variante in Siebdruck | Springer
schlägt Turm. Variante in Siebdruck |
Schachsonett
Dem edlen Schach vergleich ich das Sonett. Eröffnung, Aufbau, Mittel-, Endspiel - traun, das alles ist so hier wie dort zu schaun, und auch selbst hier sitzt oft ein - Paar am Brett.
Vier Züge schon vorbei! Gefährlich Baun! Verwirrung trübt mich . . . Opfer und - Verlust!. . . Doch dieser Zug jetzt macht den Fehler wett. Und auch dem Endspiel darf ich noch vertraun.
Jetzt brenn ich erst; und spür mich Brust an Brust; und greife nicht mehr fehl im strengen Kriege; und lege meisternd Hand auf Brett und Blatt.
Noch einmal blitzt das feindliche Florett - doch ich parier's, - und nun auch schon: Schachmatt! (Ich muß erst immer fallen, eh ich siege.)
Christian Morgenstern
Vor dem Schachbrett
Ein Kunstwerk sei wie ein Schachproblem. Da ist's auch nicht an dem oder dem; da ist ein jeder Zug bestimmt für den, der Schicksal gibt wie nimmt. Da lerne, wer schafft, wie wer genießt, wie sich ein Kreis zum Ganzen schließt.
Christian Morgenstern
Das
Rätsel um ein Schach-Gedicht von Christian Morgenstern
Die Sprache des Menschen ist manchmal ein Rätsel. Hören und Sehen bedeutet nicht gleichzeitig auch Verstehen. Unsere Kommunikation gestaltet sich trotz neuer Mittel wie E-Mail, SMS, Internet-Chat zunehmend schwieriger. Täglich werden wir mit neuen Wortschöpfungen konfrontiert.
Ich möchte diese Paradoxie zwischen Sprache und Verstehen in drei Papierobjekten darstellen. Ich habe diese Objekte aus handgeschöpftem Papier und rostigem Eisendraht geschaffen. Grundlage für meine Idee ist folgendes Gedicht von Christian Morgenstern:
Das große Lalula
Kroklokwafzi? Semmemmemi! Seiokrontro - prafriplo: Bifzi, bafzi; hulalemmi: quasti bast bo... Lalu lalu lalu lalu la!
Hontraruru miromente zasku zes rü rü? Entepente, Leiolente klekwapufzi lü? Lalu lalu lalu lalu la!
Simarar kos malzipempu silzuzankunkrei (;)! Marjomar dos: Quempu Lempu Siri Suri Sei [] Lalu lalu lalu lalu la!
Man hat in dieses Gedicht bisher immer zuviel hinein interpretiert. Es handelt sich auch nicht um eine Geheimsprache. Schachspieler haben es von Anfang an richtig verstanden.
Kroklokwafzi? =K a 5= weißer König a5. Semmemmemi! =Se 1= schwarzer Springer e1.
 |  |  | | Lalula I | Lalula II | Lalula III |
Mein Objekt "Das große Lalula I" zeigt die Stellung "König a5" und "Springer e1".
Die drei Objekte sind 2009 entstanden und haben das Format 45 cm x 34 cm. Sie
werden in einer handgearbeiteten Leinen-Kassette angeboten. Die Auflage
ist auf 6 Unikate limitiert.
Andreas Gryphius (1616 - 1664)
Sonette. Das Erste Buch. Die alte Schreibweise dieses Gedichtes zum Schachspiel wurde zur einfacheren Lesbarkeit teilweise von mir aktualisiert. Ähnlich wie das spätere Gedicht von Gottlieb Konrad Pfeffel, zieht auch Gryphius einen Vergleich des Schachspiels zum vergänglichen Leben.
Ebenbild unseres Lebens
Auf das gewöhnliche Königs-Spiel Der Mensch, das Spiel der Zeit, spielt weil er allhier lebt,
Im Schauplatz dieser Welt; er sitzt, und doch nicht feste.
Der steigt und jener fällt, der suchte die Paläste
Und der ein schlechtes Dach, der herrscht und jener webt.
Was gestern war ist hin, was jetzt das Glück erhebt,
Wird morgen untergehn, die vorhin grünen Äste
Sind nunmehr dürr und tot, wir Armen sind nur Gäste,
Ob denn ein scharfes Schwert an zarter Seide schwebt.
Wir sind zwar gleich am Fleisch, doch nicht von gleichem Stande.
Der trägt ein Purpurkleid, und jener gräbt im Sande,
Bis nach entraubtem Schmuck der Tod uns gleiche macht.
Spielt denn dies ernste Spiel: weil es die Zeit noch leidet
Und lernt: daß wenn man vom Pancket des Lebens scheidet:
Krone, Weisheit, Stärke und Gut bleibt eine geborgte Pracht.

Die Bilder auf meiner Homepage können kopiert werden. Bitte machen Sie
eine Quellenangabe © Elke Rehder und setzen Sie einen Link auf diese Seite oder
auf meine Hauptseite http://www.elke-rehder.de
|